Das alte Heidedorf Tellmer

 

Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes Tellmer erfolgte bereits im Jahre 988!

Sie steht im Zusammenhang mit der sagenhaften Überlieferung einer Schlacht zwischen heidnischen Wickingern und einer Adelsfamilie der Bardonen, einem sächsischen Grafengeschlecht des 9. Jahrhunderts und Vorgänger der Billunger, welche mit der Burg auf dem Lüneburger Kalkberg untrennbar verbunden waren.

Von jenen Bardonen ist anzunehmen, dass sie auch für die Namensgebung einiger benachbarter Dörfer, wie z. B. Bardenhagen oder Barnstedt verantwortlich sind.

Um das Jahr 988 schenkte ein Bardo dem Kloster Corvey für das Seelenheil seines Onkels Walbert Hörigenfamilien in den Orten Tellmer und Beverbeck.

Der an die Ortschaft Tellmer angrenzende „Süsing“ war - ebenso wie der später im Besitz der Grafen von Dannenberg befindliche Nachbarort Glüsingen - alter Besitz des Bistums Verden.

Demnach ist Tellmer mit Recht als einer der ältesten urkundlich erwähnten Orte des Landkreises Lüneburg zu nennen.

 

 

Hillersbüttel

 

Mittelalterlichen Ursprungs sind auch die wenigen Überreste, die vom untergegangenen Dorfe Hillersbüttel (Hillersbutle, Hildersbüttel, Hiersbüttel), westlich von Tellmer im Betzendorfer Kirchholz gelegen, geblieben sind. Die Hillersbüttleler Flur umfasste unter Berücksichtigung der Verkoppelungskarte ca. 150 ha Ackerland (Verkoppelung: im Jahre 1828), vermutlich sogar noch mehr Ackerfläche und lag unweit der alten Fracht- und Heerstraße von Lüneburg nach Celle.

Um 1930 wurde die Stelle des untergegangenen Dorfes von dem Heimatforscher Ernst Rüther wie folgt beschrieben:

Am Rande des Waldes ein steingefasster, verschlammter Brunnen, der Sodenborn; am oberen Teil der Senke eine Anzahl behauener Steine und daneben eine geebnete Fläche, ein alter Hausplatz. Nun noch durch das Dickicht, die seichte nach Westen hin ansteigende Anhöhe hinauf; hier wieder ein geebneter Platz und sogar Teile eines Hausfundaments. Jetzt wurde mir zur Gewissheit, dass ich auf den Resten eines zerstörten Dorfes stand. Dort musste der alter Dorfweg gewesen sein. Die mit Farnen und Gräsern bestandene Senke war die frühere Ortswiese, ohne die ja kein Dorf der Heide Denkbar ist. Einige hindert Schritte weiter nach Süden liegt ein von einem Erdwall umgrenztes Waldstück, eine ehemalige Hillersbüttler Worth, die der Besitzer seinem Hofgrundstück angegliedert hatte, um darin Holzhieb und Masttrift ungehindert ausüben zu können.“

 

Dass diese baulichen Überreste nun überhaupt dokumentiert werden konnten ist der Verdienst meines Vaters, Rudi Meyer, aus dem Hillersbüttler Nachbarort Tellmer. Bei Waldarbeiten in dem Waldstück „Der Hillersbüttel“ machte er eine Reihe von Steinansammlungen ausfindig, die er in Zusammenhang mit dem untergegangenen Ort brachte. Diese Steinansammlungen befinden sich in einem ausgedehnten Hoch- bzw. Wölbackergebiet, welches ehedem zu diesem Ort gehörte.

Nach Absprache mit dem Bezirksarchäologen untersuchte die Lüneburger Arbeitsgemeinschaft Urgeschichte eine ausgewählte Fläche in dem Gebiet, um näheres über Funktion und Zeitstellung der fraglichen Befunde in Erfahrung zu bringen.

Die durchgeführten Ausgrabungen ergab eine mehrlagig geschichtete Steinreihe, die offensichtlich Parallel zu einem Wölbackerbeet auf dem gewachsenen Boden aufgeschichtet worden war.

Zu beiden Seiten der Anlage waren die Wölbackerbeete durch das sanft ansteigende Gelände noch gut erkennbar; der Regionalhistoriker G. Osten bezeichnete den Erhaltungszustand der Wölbäcker nahe Hillersbüttel sogar als „Modellartig“.

 

Nach den Forschungen des Lehrers E. Rüther, der sich im Falle der Wüstung Hillersbüttel nur auf das Studium der urkundlich überlieferten Geschichte beschränkte, ging der Ort vermutlich ausgangs des 14. Jahrhunderts im Zusammenhang mit einer Fehde unter.

Die Datierung des Untergangs lässt sich aber auch anhand von Urkunden-material eingrenzen: Laut einer Medinger Urkunde -zwei wüste Höfe wurden an die Tochter des H. Simon vererbt- war der Ort auf jeden Fall bereits im 15. Jahrhundert sicher wüst. Nach einer Überlieferung hat noch ein dritter Hof bestanden. Hieraus entstammen vermutlich die Rechte des Lühmannschen Hofes in Tellmer an der Feldmark Hillersbüttel, denn er erhielt bei der Verkoppelung die „Hillersbütteler Worth“ und einen Teil der Wiese zu Hillersbüttel.

1507 wurde die Wüstung für die Summe von 100 Rheinischen Gulden an die Kirche  Betzendorf verkauft.

Die Sagen, die sich um den Untergang des Ortes Hillersbüttel ranken, sind offensichtlich Wandersagen bzw. übliche Geschichten von Schuld und Untergang, die sich auch im Zusammenhang mit anderen untergegang-enen Dörfern erzählt werden.

So erzählte man sich, das Dorf sei während des dreißigjährigen Krieges zweimal in Schutt und Asche gelegt worden und die letzte Hillersbüttlerin habe bei fremden Leuten Zuflucht suchen müssen.

Nach einer anderen Darstellung wurde die Hartherzigkeit der Bewohner die Ursache des Untergangs: „Als einst zwei arme Wanderburschen -andere meinten es wären Bettelmönche gewesen-  in das Dorf kamen und um eine milde Gabe anhielten, wies man sie Schroff bzw. unsanft ab. Am Dorfausgang zogen sie sich des zehrenden Hungers wegen einige Rüben aus dem Acker, wurden aber von den herbeieilenden Bauern verfolgt und jämmerlich geschlagen. Voll Zorn riefen sie den Bauern zu, für Ihre Tat solle die Strafe nicht ausbleiben. Diese Drohung ging auch bald in Erfüllung, und der Ort brannte vollständig nieder. Als dann Hillersbüttel zum zweiten Male von demselben Schicksal getroffen wurde, waren die Bewohner so verarmt, dass sie an die Wiederaufrichtung ihrer Häuser nicht mehr denken konnten, ich Heimatdorf mit einem weißen Stock in der Hand verließen und bei fremden Leuten um Unterkunft anhielten.“

 

Am Wahrscheinlichsten ist jedoch, dass auch Hillersbüttel ein Opfer der Mordbrenner des Statius von Mendelsloh geworden ist (1396).

Über die Anfänge Hillersbüttels lassen sich nur vergleichsweise wenig konkrete Angaben ermitteln.

Einige Scherben, aufgesammelt am Lagepunkt der ehemaligen Dorfstelle, deuten auf das frühe Mittelalter, ebenso wie die urkundliche Ersterwähnung Tellmers im Jahre 988.

Kontakt

Sie erreichen uns unter:

 

0176 782 95378

 

Nutzen Sie auch gerne unser Kontaktformular.

Aktuelles